Der Polarisierer

In den vergangenen drei Jahren hat Tilo Jung einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Der heute 30-Jährige hat mit einer Crowdfunding-Kampagne auf Krautreporter um eine Anschubfinanzierung geworben, um sich besseres Equipment leisten zu können. Ich kann mich daran erinnern, weil er fast zeitgleich mit meinem damaligen Projekt „Der flammende Tibeter“ gestartet ist. Ein halbes Jahr später saß er bei Markus Lanz: https://www.youtube.com/watch?v=9kEa2YP7nqM.

Sein Motto: Politik für Desinteressierte.

Konkret heißt das, er stellt vornehmlich Politikern vermeintlich naive Fragen und spricht damit vor allem junge Menschen an. Denn ein großes Vorwissen braucht man nicht, um Tilos Videos anzuschauen. 2014 wurde er dafür mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Seinen YouTube-Kanal haben mehr als 64.000 Menschen abonniert: https://www.youtube.com/user/Nfes2005, auf Facebook hat er knapp 200.000 Fans, auf Twitter mehr als 13.000 Follower. Dabei vermischen sich die beiden Marken „Tilo Jung“ und „Jung & Naiv“, denn natürlich kommt es immer wieder zu Crosspromotion.

Was auffällt: Tilo Jung polarisiert. Der Comedian Oliver Polak hat einmal geschrieben, Jung sei nicht naiv sondern einfach dumm: http://www.welt.de/kultur/medien/article146300580/Jung-und-naiv-Ich-glaube-Du-bist-einfach-nur-dumm.html. Seit einem Jahr macht er die Bundespressekonferenz (BPK) unsicher und stellt seine zum Teil entlarvenden Videos munter ins Netz: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/blog/Der-Provokateur-Bundespressekonferenz-hadert-mit-Tilo-Jung,tilojung102.html.

Sein Geschäftsmodell: Reichweite und Bekanntheit. Heißt konkret: Seine vielen Fans finanzieren seinen Lebensunterhalt. Im Dezember 2015 überwiesen ihm 500 Menschen mindestens 20 Euro auf sein Spendenkonto, im Januar 2016 waren es immerhin 200. Macht Einnahmen zwischen 4.000 und 10.000 Euro – im Monat.

Ich habe Tilo Jung für Paulines Podcast interviewt. Die beiden Teile werden in Kürze online gestellt. Bis dahin könnt ihr euch schon mal anhören, wie dem 30-Jährigen die Idee für sein Format gekommen ist, wie wichtig die Crowdfunding-Kampagne am Anfang war und welches Fazit er von seiner Zeit bei den Krautreportern zieht.

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