Lohnt sich Snapchat?

In der Woche vom 17. bis 21. November habe ich zum ersten Mal „Snapchat“ ausprobiert. Ich habe in Kiew recherchiert und habe Menschen, denen ich begegnet bin, fotografiert – oder siebensekündige Videos gedreht, wenn ich das Gefühl hatte, ich müsse etwas sagen. Die Reaktion kam prompt: Im Laufe der Woche sammelte ich knapp 100 Follower, auch weil Kollege Jens Twiehaus auf Twitter freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht hat:

Nun möchte ich ein kurzes Fazit ziehen.

 

Vorteile: 

  1. Es ist einfach.
  2. Man kann einen Blick hinter die Kulissen gewähren (Stichwort Authentizität).
  3. Dadurch dass die Snaps nur 24 Stunden verfügbar sind, entsteht gesteigertes Interesse bei der Crowd, die Eindrücke in Echtzeit zu verfolgen.
  4. Man kann mit der Crowd in Kontakt zu treten, um Feedback zu bekommen.
  5. Es macht Spaß.

 

Nachteile:

  1. Snapchat bedeutet zusätzliche Arbeit. Man darf – während man mit seinen eigentlichen Interviews beschäftigt ist – nicht vergessen, Fotos oder Videos zu machen.
  2. Man benötigt eine stabile Internetverbindung, um permanent snappen zu können. Ich habe meine Snaps nur dann veröffentlicht, wenn ich WiFi hatte, weil ich die Kosten für meine Datenverbindungen im Blick behalten wollte.
  3. Die Snaps verschwinden nach 24 Stunden wieder. Als Journalist muss man sich daran gewöhnen, dass man etwas produziert, von dem nichts bleibt (Hinweis: Kollegin Eva Schulz experimentiert damit, ihre Snapchat Stories auf YouTube zur Verfügung zu stellen: https://www.youtube.com/user/hurrablog).
  4. Komplizierte Sachverhalte auf Snapchat zu erklären, ist besonders herausfordernd. Vorbildich macht das derzeit Vox Media.

Wie lautet also die Antwort auf die entscheidende Frage: Lohnt sich Snapchat für „normale“ Journalisten?

Medienmarken kommen nicht umhin, die jüngere Zielgruppe verstärkt in den Blick zu nehmen. Snapchat ist dafür eine gute Möglichkeit, weil mehr als die Hälfte der Snapchat-Nutzer zwischen 18 und 24 Jahren ist.

Für „normale“ Journalisten, die selbst zur Marke werden wollen, ist dieser Dienst ebenfalls nicht verkehrt. Man sollte sich allerdings die Frage stellen: Wie viel möchte ich aus meinem Privatleben wirklich preisgeben?

Es gibt in Deutschland bislang nur wenige freie Journalisten, die Snapchat überhaupt nutzen. Diejenigen, die es tun, befriedigen damit nicht selten ihren Geltungsdrang. Ich rate jedem, sich genau zu überlegen, ob das mit dem eigenen Rollenverständnis vereinbar ist.

Klar ist man als Journalist eine Person des öffentlichen Lebens und gibt via Facebook, Twitter und Instagram ohnehin einiges Persönliche preis. Ob man mit Snapchat einen weiteren Kanal bedienen möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden.

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