It. Was. Just. Great.

Mein USA-Abenteuer ist vorbei – gleichzeitig hat ein neues Kapitel begonnen. Ich habe so viele inspirierende, spannende Menschen getroffen, dass ich einige Zeit brauchen werde, um alles zu verarbeiten. Viele meiner Freunde fragen: „Und? Wie war’s?“ Und ich weiß immer gar nicht wo ich anfangen soll, mit der Antwort.

Es war vor allem intensiv und anstrengend. Ich war drei Monate auf Reisen, immer damit beschäftigt, das nächste Interview zu organisieren. Die nächste Unterkunft. Den nächsten Flug. Gleichzeitig sollte ich dafür sorgen, dass einige Fragmente meiner Recherche auf meinem Blog erscheinen: http://www.br.de/radio/b5-aktuell/sendungen/medienmagazin/journalismus-zukunft-2020-blog-100.html. Der Blog war ein Experiment, das meine Redakteurin Sissi Pitzer und ich eingegangen sind. Die Idee stammte von mir, weil ich es reizvoll fand, Einblick in meine Recherchen zu gewähren. Dass die Recherche nicht irgendeine Black Box ist, bei der am Ende ein Stundenfeature für den Bayerischen Rundfunk herausploppt, sondern dass man merkt, dass da sehr viel Arbeit drin steckt. Ich glaube, es ist notwendig, dass wir unsere Leser / Zuhörer / Zuschauer grundsätzlich stärker mitnehmen bei dieser Arbeit.

Journalismus im digitalen Zeitalter ist keine Einbahnstraße mehr.

Man kann das auch als eine Form von „Open Journalism“ verstehen – schließlich waren die User aufgefordert, jederzeit ihre Kommentare abzugeben und einzelne Blogposts auf Facebook oder Twitter zu verlinken. Einen sehr interessanten Artikel zum Thema „Open Journalism“ habe ich hier gefunden: http://medien-mittweida.de/43197/open-journalism-transparenz/. Der Begriff wurde – wie könnte es anders sein – vom Chefredakteur des „Guardian“, Alan Rusbridger, geprägt. Und zwar bereits 2012. Jetzt ist es 2014 und es ist so, wie ich es oft in den USA zu spüren bekommen habe: Wir in Deutschland hinken den Entwicklungen – vor allem im Journalismus – hinterher. Meine Reise in die USA war, so wie ich es vorher angenommen hatte, eine Reise in die Zukunft. Oder wie es die freie Journalistin Ulrike Langer formuliert hat: „Wenn ich nach Deutschland reise, ist es wie eine Reise in die Vergangenheit.“

Diese drei Monate haben mich sicher verändert. Ein Beispiel: Ich gehe offener auf Menschen zu, weil das in den USA einfach jeder macht. Man plaudert mit Menschen – fünf oder zehn Minuten – und verabschiedet sich dann. Das hat nichts mit Oberflächlichkeit zu tun sondern mit Menschlichkeit. Der Mensch ist ein soziales Wesen und es ist völlig natürlich, dass man den Kontakt zum Gegenüber sucht. Und sei es nur, um sich kurz über das Wetter auszutauschen. Es gab so viele Menschen in den USA, die mir einfach so einen „großartigen Tag“ gewünscht haben. Jetzt, da ich wieder zurück bin in Russland, merke ich erst, wie sehr sich das von der russischen Art unterscheidet. Man kommt zwar auch hier schnell ins Gespräch… aber es ist doch eine gänzlich andere Art von alltäglichem Miteinander.

Ein anderes Beispiel: Ich probiere Dinge eher aus. Ich persönlich hatte noch nie ein Problem, zu scheitern. Das habe ich auch immer wieder ausgeführt und andere ermuntert, es mir gleich zu tun (https://www.pauline-tillmann.de/2013/04/crowdfunding-lehre-15-fazit/). Kollege Mark Heywinkel hat neuerdings einen Blog beim „stern“, bei dem es ums Scheitern geht: http://blogs.stern.de/geschichtenvomscheitern/mark-heywinkel/. Und Katrin Bauerfeind hat sogar ein Buch zum Thema geschrieben: „Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag. Geschichten vom schönen Scheitern“. Es gibt also einige andere Kollegen, die dem Scheitern – so wie ich – sehr viel Positives abgewinnen können. Aber insgesamt legt man in den USA einfach eine andere Fehlerkultur an den Tag. „Fail Fast“ lautet das Motto im Silicon Valley. Und weil so viel ausprobiert wird, kommt dabei auch so viel Großartiges heraus. Google. Facebook. Twitter.

Was heißt das jetzt konkret? Ich probiere Apps aus und wenn sie mir gefallen, behalte ich sie. Wenn nicht, lösche ich sie. Ich gehe eher mal einen anderen Weg als den, den ich bereits kenne – und entdecke dabei sehr viel Neues. Es geht darum, in Bewegung zu bleiben. Hungrig zu sein. Wach. Den frischen Blick nicht zu verlieren. Nicht zuletzt bin ich im Herbst in die USA gegangen, um mir Inspirationen zu holen für mein neuestes Projekt. Ich denke seit Mai darüber nach, eine eigene Online-Plattform zu gründen. Der Name steht auch schon fest. Die Ausgestaltung hat immer konkretere Züge angenommen. Und das Geschäftsmodell, zum Glück, auch. Insofern werde ich vieles von dem was ich in den vergangenen Monaten erlebt habe, versuchen in dieses Projekt einfließen zu lassen. Spruchreif ist es Ende Dezember. 2015 wird mein Jahr.

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