Mehr Mut!

Der Journalismus von heute ist der beste, den es je gab. So meine steile These und sage auch warum: Nie war der Journalismus so nah an den Menschen – Stichwort Social Media. Nie war der Journalismus so anschaulich – Stichwort Visualisierung. Nie war der Journalismus so packend – Stichwort Storytelling. Nie war der Journalismus so emotional – Stichwort Tablet. Es gibt so viele neue Möglichkeiten in der seit Jahren andauernden Medienrevolution. Oft sehen wir aber nur die Probleme: Auflagenrückgang, Leserschwund, Anzeigenkrise. Dabei bietet die heutige Zeit vor allem: Chancen. Chancen, denen man nicht ängstlich begegnen sollte.

Deshalb sage ich: Liebe Kollegen, habt weniger Angst und mehr Mut!

Mut, Fehler zu machen. Mut, auch einmal zu scheitern. Mir scheint, in Deutschland scheuen wir Risiken wie der Teufel das Weihwasser. Die sichere Bank – am Besten eine Festanstellung – ist das, womit sich die meisten von uns Journalisten am Wohlsten fühlen (würden). Dabei hat schon Herbert Grönemeyer treffend festgestellt: Stillstand ist der Tod. Das heißt: Wir dürfen nicht stehen bleiben! Wir müssen uns bewegen! SPIEGEL-Autor Cordt Schnibben sagte bei der netzwerk-recherche-Jahreskonferenz am vergangenen Wochenende so treffend: „Wir haben 20 Jahre lang gepennt.“ Und manche glauben, dass man das noch ein paar Jahre so weiterführen könnte. Aber das ist ein Irrtum! Ich bin der Überzeugung, dass das Aus der Financial Times Deutschland und der dapd nur die Vorboten eines viel größeren Bereinigungsprozesses sind. In den nächsten Jahren werden noch mehr Zeitungen vom Markt verschwinden à la Darwin: „survival of the fittest“ oder auch – die Besten setzen sich durch. Damit sind die Medien gemeint, die sich dem Medienwandel am besten angepasst haben.

Was meine ich damit? Damit meine ich Zeitungen und Zeitschriften, die zur Marke geworden sind. Die es geschafft haben, ein Erlösmodell im Internet zu finden. Die Print und Online so verzahnt haben, dass sich beides gegenseitig befruchtet und das Endprodukt damit besser ist als jede Sparte für sich. Die begriffen haben, dass man mit dem Tablet eine andere Form von Intensität schaffen kann als es bedrucktes Papier je können wird. Die den Leser überraschen, herausfordern, anregen und ihn damit dauerhaft binden.

Diese Zeit ist eine Pionierzeit

Bitte nicht falsch verstehen: Ich kenne Kollegen von der FTD und von der dapd, die sich jetzt nach einem neuen Job umschauen müssen. Das ist bitter, aber es bringt nichts zu sagen: Früher war alles besser. Die fetten Jahre sind vorbei. Jetzt gilt es nach vorne zu schauen und sich auf das Positive zu konzentrieren. Und das Positive ist, dass die Medien immer mehr miteinander verschmelzen, was die Arbeit als Journalist noch spannender macht. Das Positive ist, dass guter Journalismus in unruhigen Zeiten noch wichtiger wird, weil die User immer mehr nach Hintergrundinformationen, nach Einordnung, Analyse und Meinung verlangen. Die Welt wird immer komplexer, deshalb braucht man Journalisten, die sich auskennen.

Dafür muss man investieren, denn das unterscheidet Qualitätsmedien von anderen, die nur abschreiben. Und dafür sind die Leser, Zuhörer, Zuschauer auch letztlich bereit, Geld zu bezahlen. Diese Zeit ist eine Pionierzeit. Wer sich darauf einlässt, kann verlieren. Wer sich nicht darauf einlässt, hat schon verloren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.