Gutes tun. Und darüber sprechen.

Warum gehen Menschen ins Ausland? Klar, um Urlaub zu machen. Und was ist, wenn sie länger als 3 Wochen im Ausland bleiben? Zwei, drei, vielleicht sogar elf Monate im Ausland verbringen? Dann haben sie sich vielleicht für das so genannte „Freiwillige Soziale Jahr“ entschieden oder für das Pendant der Europäischen Union, den „Europäischen Freiwilligendienst“. Ich habe zwei junge Deutsche in Aserbaidschan getroffen, die genau das machen.

Antje Pfeiffer, 28, fertig mit dem Studium, und Thomas Eichmann, 25, auf der Suche nach dem richtigen Master-Studiengang.

Die beiden sagen, sie haben ganz unterschiedliche Gründe, ihren Europäischen Freiwilligendienst in Aserbaidschan (Ganja) zu verbringen. Antje meint:

„Ich habe mich halt eine ganze Weile beworben und es ist nie wirklich etwas vorwärts gegangen. Und dann habe ich mir gedacht: Ich sitze hier rum, ich habe Zeit, ich habe Energie, irgendwie will ich die sinnvoll nutzen. Also dachte ich mir: Okay, wenn ich mich hier bewerbe und es klappt, dann kann ich wenigstens was Sinnvolles tun.“

Thomas sagt, er wolle Aserbaidschanisch lernen und hofft, nach den elf Monaten „offener durch die Welt zu gehen und den Menschen offener gegenüber zu treten“. Außerdem hofft er, Erfahrungen im Projektmanagement zu sammeln. Die beiden verbringen ihre Zeit bei der NGO „Bridge to the future“, die jedes Jahr zahlreiche Projekte am Start hat. In Westaserbaidschan hat die NGO so etwas wie eine Monopolstellung – keine andere Nichtregierungsorganisation ist erfolgreicher. „Bridge to the future“ kooperiert unter anderem mit der Europäischen Kommission, mit US Aid und Save the Children.

Um am Programm des Europäischen Freiwilligendienstes teilnehmen zu können, muss man zwischen 18 und 30 Jahre alt sein. Und man braucht eine „Sende-Organisation“. Im Fall von Antje und Thomas ist das der Berliner Verein „European Intercultural Forum“. Ein Gespräch mit dem Leiter des Vereins, Sebastian Schweitzer, findet ihr hier: http://www.moe-kompetenz.de/2012/11/22_european-intercultural-forum/.

Der Verein ist auf den Südkaukasus, also auf Georgien, Armenien und Aserbaidschan, spezialisiert. Antje und Thomas sind im Übrigen die ersten deutschen Freiwilligen in Ganja. Ganja ist die zweitgrößte Stadt von Aserbaidschan, trotzdem leben hier nur 400.000 Einwohner. Wenn man Baku mit Ganja vergleicht, merkt man schnell: Baku ist das Schmuckkästchen von Aserbaidschan. Hier werden teure, prestigeträchtige Gebäude hoch gezogen. Ganja, was vermeintlich Provinz ist, wird in der Regel vernachlässigt. Im Moment gibt es jedoch mindestens ein Gegenbeispiel, denn es wird fleißig an einer neuen Philharmonie gebaut.

Nächstes Jahr soll sie fertig werden – vielleicht gerade noch rechtzeitig, bis es für Antje und Thomas zurück nach Deutschland geht. Dann will sich Antje für einen Traineeship bei den Institutionen der Europäischen Union bewerben. Und Thomas weiß bis dahin sicher wo er seinen Master machen will. Schwerpunkt: Entwicklungspolitik.

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