Energie. Revolution.

In Deutschland ist Rede von einer Revolution in der Energiepolitik – und auch in der Ukraine spricht man von einer Wende. Allerdings nur theoretisch. Beim „European-Ukrainian Energy Day“ war viel die Rede von erneuerbaren Energien. In Deutschland liegt der Anteil von Wind-, Solar- und Biomasse-Anlagen bei 17 Prozent. In der Ukraine beträgt der Anteil weniger als ein Prozent. Trotzdem wurde das schier unglaubliche Potenzial beschworen: Wind soweit das Auge reicht und Landwirtschaft (für Biogas) en masse. Das Problem: Keiner will investieren. Grund Nummer eins: Instabile politische Lage und mangelhafte Rechtssicherheit. Grund Nummer zwei: Für erneuerbare Energien braucht man einen langen Atem. Die Projekte amortisieren sich erst in 10 bis 15 Jahren. In der Ukraine wollen Investoren aber möglichst schnell Profit erzielen.

Dave Young, Vorsitzender der Europäisch-Ukrainischen Energieagentur zur Energiewende in Deutschland:

Die Form der Konferenz war zugegebermaßen befremdlich. In der ersten Paneldiskussion am Dienstagnachmittag waren zehn Gäste auf dem Podium. Zehn Gäste und 90 Minuten Zeit. Jeder sprach zehn Minuten, so dass keine Zeit für Diskussion blieb. Um Diskussion generell einzudämmen, sollte man Fragen auf einen Zettel schreiben, die der Moderator dann in die Runde einbringt. So etwas wie eine Diskussion kam demnach auch nie zustande. Dabei wäre genau das so wichtig, um nicht nur gefühlte 10.000 Power-Point-Präsentationen herunterzurattern, sondern wirklich das anzusprechen, was die Teilnehmer interessiert. Und ich finde darauf haben die Teilnehmer – meist Firmenvertreter – ein Recht, wenn sie für zwei halbe Konferenztage 500 Euro hinblättern.

Interessanterweise setzt die Ukraine sehr stark auf Atomenergie. Sie hat sechs Atomkraftwerke (Tschernobyl eingeschlossen), die 49 Prozent des Energiebedarfs decken. Weitere 36 Prozent kommen aus Kohle, 8 Prozent aus Gasanlagen und 7 Prozent aus Wasser. Wasser ist auch eine erneuerbare Energieform. Und hier steht die Ukraine mit 7 Prozent gar nicht schlecht da. Aber bei den anderen Formen – Sonne, Wind, Bioenergie – gibt es noch sehr viel unerschlossenes Terrain. Vor wenigen Monaten hat die Firma „Aktiv Solar“ den ersten Solarpark in der Ukraine errichtet, und zwar auf der Krim. Der Grund: Hier steigt der Bedarf an Energie von durchschnittlich 900 Megawatt auf 1,2 Gigawatt im Sommer. Warum? Weil die vielen Touristen (aus der Ukraine und vor allem aus Russland) permanent die Klimaanlage laufen lassen und dafür braucht man nun mal Strom. „Diese 1,2 Gigawatt decken den täglichen Strombedarf“, erklärt Johann Harter von „Aktiv Solar“.

Interessant ist, dass die Ukraine das Land ist, das einen drei Mal höheren Energieverbrauch hat als ein Durchschnittseuropäer. Das hängt damit zusammen, dass es zum Beispiel für Heizungen keinen Regler gibt. Es gibt nur – wie in Russland – eine Zentralheizung, die auf vollen Touren läuft. Wenn es dir zu warm ist, mach‘ das Fenster auf. Das heißt, die Ukrainer heizen – wie die Russen – oftmals zum Fenster raus. Das ist das Gegenteil von „intelligentem Heizen“ und deshalb alles andere als zukunftsfähig. Das Problem: Wenn man diese Relikte aus der Sowjetzeit beseitigen wollen würde, müsste man ein neues Heizungsnetz mit neuen Leitungen etc. anschaffen. Und dafür hat die Regierung wie immer kein Geld.

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