Wichtig.

Hotel Intercontinental. Fünf Sterne. MAN(N) ist wichtig. Es ist kurz vor 19 Uhr.

Ich gehöre zu den „Ehrengästen“ – weil ich als Journalist akkreditiert bin. Ich bleibe den ganzen Abend über in der Minderheit. Medienvertreter kann man hier an der Hand abzählen – im Gegensatz zu den Beratern (Neudeutsch: Consulter), Anwälten und Lobbyisten. Wirtschaftsvertreter en masse. Allen gemeinsam: Sie tun furchtbar wichtig.

Ich fühle mich klein und unwichtig.

Es ist ein Zufall, dass ich überhaupt noch in Kiew bin. Am nächsten Morgen geht mein Flug zurück nach München.

Ein Kollege hatte mich auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht: „Offizielle Eröffnungsveranstaltung für den deutschen Wirtschaftsklub in der Ukraine“. 270 haben sich angemeldet, gekommen sind etwa 150. Die Organisatoren machen das Wetter dafür verantwortlich – draußen hat es zehn Grad unter Null. Es schneit. Der Wind fegt durch jede noch so kleine Ritze. Drinnen ist es warm und Männer in schwarzen Anzügen schwingen wichtige Reden.

„Deutschland ist der größte ausländische Investor in der Ukraine.“

„Wir brauchen eine Plattform, durch die wir unsere Interessen artikulieren können.“

„Jeder kann sich im Wirtschaftsklub einbringen, denn er lebt von seinen Mitgliedern.“

Und schließlich: „Der Deutsche in der Ukraine hat endlich eine Stimme.“

Der Grundgedanke klingt eigentlich ganz gut: Der Klub soll deutsche Investoren  zusammenbringen, die Erfahrungen austauschen und Neuankömmlingen helfen sollen (Visa, Korruption etc.). Jeden dritten Dienstag im Monat findet im Interconti ein so genannter „Klubabend“ statt – inklusive Abendessen versteht sich. Dafür berechnet der Wirtschaftsklub einen Jahresmitgliedsbeitrag von 1.200 Euro. Für Mittelständler nicht gerade wenig. Aber im Gespräch betonen die Organisatoren immer wieder: Man wolle alle ansprechen, Big Player wie Bayer und Metro genauso wie kleine Autozulieferer. Ob das gelingen wird, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Bislang gibt es zehn Mitglieder. Bis Ende des Jahres sollen es 100 werden.

Wer mehr über den deutschen Wirtschaftsklub erfahren will, wird unter www.dwk.kiev.ua fündig.

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