St. Petersburg

Ich habe mich von Anfang an in diese Stadt verliebt. Sie ist so durchtränkt von Kultur, von wunderschöner Architektur, von Anmut und von Eleganz. Ich habe September 2004 bis Februar 2005 in St. Petersburg studiert, als einzige Ausländerin an der Journalistischen Fakultät. Ich habe Studiengebühren bezahlt und Vorlesungen besucht. Das Überraschendste: Journalistik ist in Russland viel breiter angelegt als bei uns. Es gab Fächer wie Philosophie, Soziologie, Psychologie, Informatik und BWL – neben den vielen Zeitungs- und Fernsehkursen. Radio wurde schon immer etwas stiefmütterlich behandelt. Das hängt damit zusammen, dass in Russland Radio keine so große Rolle spielt, weil ohnehin hauptsächlich Musik gespielt wird. Qualitätsjournalismus im Radio ist in Russland noch nicht angekommen, vor allem weil dafür kein Geld da ist.

Abgesehen von den Vorlesungen und meinem Russischkurs, den ich gemeinsam mit zwei Chinesen und einem Finnen besucht habe, habe ich vor allem für die St. Petersburgische Zeitung gearbeitet. Ich habe dort ein sechsmonatiges Praktikum absolviert und gemeinsam mit meiner damaligen Chefredakteurin Anna Litvinenko jeden Monat eine Zeitung für die deutsche Minderheit herausgebracht. Die Auflage lag bei überschaubaren 5.000 Exemplaren, aber die Arbeit für diese Zeitung war trotzdem eine der tollsten Erfahrungen in meinem Leben. Ich habe viele Interviews geführt, konnte dadurch mein Russisch verbessern und vor allem konnte ich Blut lecken für die Arbeit des Auslandskorrespondenten. So habe ich einige lange Reportagen geschrieben, unter anderem über einen deutschen Zivildienstleistenden, der Straßenkindern betreut hat (siehe Arbeitsproben Artikel). Und über ein Behindertenheim, das mit Hilfe von deutschen Geldern (Projekt „Perspektiven“) unterstützt wird.

2009 war ich erneut in St. Petersburg und habe Recherchen durchgeführt, unter anderem zum Thema „Naschi“ und für meine Nahaufnahme „Zwischen Kopftuch und Ikone – von der Renaissance des Orthodoxen Glaubens in Russland“.

2011 wage ich den Sprung ins kalte Wasser und versuche mich als freie Korrespondentin in St. Petersburg. Wesentliche Gründe, die dafür sprechen, dass es funktionieren könnte: Wenig Konkurrenz, niedrige Lebenshaltungskosten, liebenswerte Menschen, tolle Kulturszene, angenehme Stadtatmosphäre und viele spannende Themen…

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