Online

Online gehört die Zukunft. Das ist eine Parole, die ich immer wieder höre und die sicherlich auch stimmt. Jedenfalls zum Teil. Allein von Online können die Medien bekanntlich nicht leben. Und welche Bezahlmodelle in Zukunft erstmals fruchten werden, ist bislang auch noch unklar. Klar ist aber auch: Heute ist man immer nicht nur Radiojournalist, sondern auch Onlinejournalist – nicht nur Fernsehjournalist sonder auch Onlinejournalist. Das Standardpaket gibt es heutzutage nur im Doppelpack. Das bedeutet für mich als Radiofrau, dass ich natürlich vor allem bei Features und Reportagen eigene Fotos mitbringen – mit denen lassen sich dann, unter anderem, wunderbare Bildergalerien basteln.

Die Mär von der eierlegenden Wollmilchsau finde ich übrigens überholt. Für mich ist Crossmedia ein Thema, das mich als junge Journalistin brennend interessiert. Nicht zuletzt, um für mich herauszufinden: Wie muss ich denn für die Zukunft aufgestellt sein, um diesen tollen Beruf des Journalisten möglichst lange ausführen zu können? Crossmedia ist in diesem Zusammenhang ein zentraler Begriff, wie ich finde. Deshalb habe ich im April 2010, gemeinsam mit meinem Kollegen Christian Pfaffinger, eine Veranstaltung im Münchner Presseclub zu genau diesem Thema angeboten (der folgende Text wurde verfasst von Christian Pfaffinger):

Den Leser völlig falsch eingeschätzt
Crossmedia wird immer mehr zum Schlagwort in den Redaktionen. Doch wie funktioniert das Konzept? Und was müssen Journalisten in Zukunft alles können? Mitglieder der Fachgruppe Junge Journalisten trafen sich zum Expertengespräch mit Christian Jakubetz im PresseClub München.
Vor gut zehn Jahren hatte die Arbeit bei der Tageszeitung für Christian Jakubetz ihren Reiz verloren. „Damals kam es mir so vor, als würde ich nur noch standardisierte Hüllen füllen“, erinnert er sich. „Also fing ich wieder bei Null an.“ Jakubetz verließ die Printredaktion der Passauer Neuen Presse, wo er Lokalchef war und gründete die Onlineredaktion des niederbayerischen Blattes, damals als einer der Pioniere. Viele andere Zeitungen haderten damals noch mit dem neuen Medium – und hatten es danach schwer, ihren Rückstand einzuholen.
Heute ist ein Online-Auftritt Standard bei nahezu jeder Zeitung. Trotzdem glaubt Jakubetz, „dass der konventionelle Journalismus deutscher Tageszeitungen wieder alles verschläft.“ Crossmedia sei zwar in aller Munde, werde aber zu oft falsch verstanden. „Crossmedia bedeutet nicht, dass man einfach denselben Content auf verschiedenen Kanälen bringt. Es bedeutet das Schaffen von neuem Wert.“ Dabei müsse jeder neue Inhalt seine Berechtigung haben, etwa dadurch, dass er auf anderen Plattformen nicht darstellbar ist. Dann sollen die Inhalte aller Plattformen sinnvoll und sich ergänzend vernetzt werden. „Nicht der Vertriebsweg muss sich ändern, sondern der Journalismus“, fordert Jakubetz und erklärt, was dies für Journalisten bedeutet: „Man darf nicht mehr die Rolle des unfehlbaren Gatekeepers einnehmen, sondern muss offener und kommunikativer werden.“ Die Voraussetzungen für crossmediales Arbeiten seien lediglich Neugier und die Bereitschaft, sich auf etwas Neues einzulassen. „Der Rest ist Handwerk.“
Allerdings rückt gerade dessen Umfang immer mehr in den Fokus der Debatte. Was muss ein crossmedial arbeitender Journalist alles können? „Auf keinen Fall alles, schon gar nicht gleichzeitig“, sagt Christian Jakubetz, „aber er muss alles kennen.“ Deshalb sei jeder junge Journalist gut beraten, sich mit dem Thema Videojournalismus auseinanderzusetzen. Außerdem sei es wichtig, zu experimentieren und innovativ zu denken. „Junge Journalisten wollen erst einmal die Normen und das Althergebrachte lernen. Für viele junge Kollegen scheint eine Onlineredaktion einer Strafexpedition nach Sibirien gleichzukommen.“ Kein Journalist werde jedoch in Zukunft an Online vorbeikommen. Dass die Arbeit als Online-Redakteur momentan noch unattraktiv erscheine, liege auch am häufig geringeren Verdienst. „Dabei gibt es keinen halbwegs plausiblen Grund, Onliner schlechter zu bezahlen.“ Im Gegenteil habe sich deren Rolle in den letzten Jahren „vom Kostenverursacher zum potenziellen Verlagsretter“ gewandelt.
Dem Onlinebereich schreibt Christian Jakubetz eine große Rolle bei der Weiterentwicklung des Journalismus zu. „Früher wollte man immer wissen, was der Leser will. Heute sagt er es uns im Internet.“ Die Feedbackmöglichkeiten seien brillant. Man müsse neue Kapazitäten für Social Media, Blogs und andere Anwendungen  schaffen, um nicht weiter am Leser vorbeizuschreiben. Die Diskussionen bringen jeden Journalisten weiter. Auch Christian Jakubetz war überrascht von den Urteilen seines Publikums. „Da habe ich gemerkt: Ich habe die Leute die letzten 20 Jahre völlig falsch eingeschätzt.“ Mancher Journalist könnte so sein Publikumsbild korrigieren.
Natürlich müsse man auch bei der Vermarktung experimentieren. Im Hinblick auf Paid-Content ist Jakubetz skeptisch. Zu umständlich sei das und ohnehin nur für hochspezialisierte Angebote tauglich. Interessant findet er neue Wege wie den amerikanischen Stiftungsjournalismus. Ob dieser ein erfolgreiches Modell werde, sei nicht abzusehen. Aber man müsse verschiedene Varianten ausprobieren. Denn eine Erfahrung mache er seit seinem Online-Einstieg 1998 jeden Tag aufs Neue: „Man muss bereit sein, das heutige Modell in einem Jahr wieder über den Haufen zu werfen.“

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