Journalism comes first

Die Non-Profit-Organisation ProPublica ist in vieler Hinsicht herausragend – und das nicht erst seit gestern als sie in Chicago mit fünf Preisen ausgezeichnet wurde: http://www.zeit.de/news/2014-09/28/usa-propublica-grosser-gewinner-bei-preisverleihung-fuer-online-medien-28122403.

ProPublica hat ein Budget von zehn Millionen Dollar im Jahr – und damit so viel wie kein anderes gemeinnütziges Rechercheportal, das sich um investigative Recherche kümmert. Die Reporter haben mehrfach den Pulitzer-Preis bekommen – die renommierteste Auszeichnung der USA im Bereich Journalismus. Vor kurzem hat BuzzFeed den renommierten Mark Schoofs abgeworben, um der eigenen Qualitätsoffensive mit investigativen Scoops Nachdruck zu verleihen. Und nicht zuletzt ist ProPublica auch das große Vorbild für CORRECT!V, das jüngst in Deutschland an den Start gegangen ist (https://www.correctiv.org). Der Claim ist nahezu identisch. Heißt es bei ProPublica „Journalism in the Public Interest“, ist es bei CORRECT!V „Recherchen für die Gesellschaft“.

Die Fakten:

Aktiv seit: 2008

Pulitzer-Preise: 2 (mehr unter: http://de.wikipedia.org/wiki/ProPublica)

Mitarbeiter: 32

Davon Datenjournalisten: 12

Einer dieser Datenjournalisten ist Jeff Larson, den ich für meine BR-Recherche „Journalismus 2020“ interviewt habe und der an den Snowden-Files mitgearbeitet hat. Zum Thema Datenjournalismus sagt er trocken: „Daten sind Fakten – und es ist immer wichtig, Fakten in die eigenen Geschichten einzubauen.“ Oder auch: „Data is something that makes you see in a new way.“

Dabei geht ProPublica durchaus neue Wege. Man denke nur an den Fracking-Song: http://www.youtube.com/watch?v=timfvNgr_Q4, das interessanterweise vor allem in Schulen als Lehrmittel zum Einsatz kommt. Eine Video-Abteilung hat die Organisation aber (noch) nicht. Denn in der Regel arbeitet sie bei solchen Projekten mit großen Medienunternehmen wie der New York Times oder CNN zusammen, die über entsprechende Video-Ausstattung verfügen.

Generell ist es schwierig, die Kosten für eine Geschichte auszumachen, sagt Jeff Larson. Dabei machte eine Recherche die Runde, die bis zu 750.000 Dollar gekostet haben soll: http://www.theatlantic.com/national/archive/2013/10/these-journalists-spent-two-years-and-750-000-covering-one-story/280151/.

Larson sieht das entspannt und sagt, dass genau das die Existenzberechtigung von ProPublica ausmache. Auch die Förderer, vor allem die Sandler-Stiftung, unterstützte das. Allerdings wolle man sich mittelfristig von Stiftungsgeldern unabhängig machen. Inzwischen kommt fast die Hälfte von Spendern und aus anderen Quellen. Auch CORRECT!V will sich mittelfristig von der Brost-Stiftung emanzipieren. Es wird spannend sein zu sehen, wie schnell das gelingt.

Ein Auszug aus dem Interview mit Jeff Larson (8.28 min.) auf Englisch: 

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