EM-Fieber Teil II: Yes, we can

„Yes, we can“, sagt Mihail Piotrowski. Piotrowski ist Pressesprecher der staatlichen Infrastrukturgesellschaft „pl.2012“, die für die Organisation der Fußball-EM in Polen verantwortlich ist. Besonders stolz ist er auf den „Polish guide“ (www.polishguide2012.pl), eine Webseite mit der man seinen kompletten Trip nach Polen planen kann. Auf der Seite findet man Informationen zu den Stadien, zum Transport (via Flugzeug, Bahn, Fähre, Auto, Taxi), zur Sicherheit (Notfallnummern, Ärztliche Betreuung), Sehenswürdigkeiten und vieles mehr. Den „Polish guide“ gibt es in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Italienisch und Polnisch.

Das Pendant auf ukrainischer Seite ist http://euro2012.ukrinform.ua/en/, das im Gegensatz zum „Polish Guide“ alle Städte der EM aufführt und nicht nur die ukrainischen. Das ist symptomatisch, denn man wird im Gespräch mit Mihail Piotrowski das Gefühl nicht los, dass es sich bei der EURO 2012 um zwei Turniere handelt. Das eine findet in Polen statt und das andere in der Ukraine. Denn die Polen sind offenbar enttäuscht darüber, dass die Ukraine von ihrem Europakurs, den sie bei der Vergabe 2007 noch hatte, inzwischen abgekommen ist.

„Polen will sich als normales europäisches Land präsentieren“, erklärt Piotrowski. Mit dem Geld für die EM stecke man Geld in die „Innovation Polens“. So dauere eine Zugfahrt von Danzig nach Warschau nicht mehr sechs Stunden wie früher sondern nur noch vier Stunden. Außerdem wurde in Straßen und Kläranlagen investiert. Nur vier Prozent des gesamten Geldes seien in die vier Stadien geflossen. Insgesamt sind es 600 Einzelprojekte, die Polen in den vergangenen Jahren umgesetzt hat – und einige nach der EM noch umsetzen wird. Denn nicht alles wird rechtzeitig fertig. „Das kann es auch nicht“, sagt Piotrowski, „möglicherweise wir haben uns zu viel vorgenommen; im Moment sind wir die größte Baustelle Europas“.

Wenn es um die Zusammenarbeit mit der Ukraine geht, wehrt er immer wieder ab und sagt man pflege „Informationsaustausch“ und man sei zwar ein „Team“, aber Polen und die Ukraine seien doch sehr unterschiedlich und deshalb sei auch der „Standard und die Haltung anders“. Was er damit meint, lässt er offen. Nur so viel: „Es geht um Glaubwürdigkeit, wir haben mit der EM ein Versprechen abgegeben und das werden wir halten.“ Innerhalb von vier Jahren haben sich die Autobahnen in Polen verdoppelt und die Schnellstraßen verdreifacht. Am Ende soll die Botschaft der EM laut „pl.2012“ lauten: „Have fun, feel save.“ Und wenn man bedenkt wie penibel die Polen die EM vorbereiten, bin ich überzeugt, man kann sie dabei beim Wort nehmen.

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