Chapeau!

Ausverkauftes Haus. Das DomKino zeigte heute den Dokumentarfilm „The Other Chelsea – a Story from Donezk“. In der Pressemitteilung heißt es: „Ein deutscher Film zur ukrainischen Wirklichkeit.“ Siehe auch: http://www.theotherchelsea.com/content/AVovk_TheotherChelsea_BeitragDW_Uebersetzt.pdf. Der deutsche Dokumentarfilmer Jakob Preuss hat es geschafft einen sehr humorvollen, aber auch sehr einfühlsamen Film zu machen. Für die Dreharbeiten war er 2005 in Donezk und hat den Klub „Schachtar“ näher beleuchtet, vor allem aber die Menschen, die mit ihrem Fußballklub mit fiebern.

Der Film lebt von Situationen und kleinen Geschichten, die so viel über die Menschen und die (politischen) Verhältnisse in der Ukraine aussagen.  Und da ist mir wieder einmal klar geworden, wie viel Kraft in einer gut gemachten Reportage steckt. Eine Situation zeigt zum Beispiel einen der Hauptprotagonisten, einen jungen ambitionierten Politiker, beim Frühstück und er spricht darüber, dass er am liebsten kalten Grießbrei mag. Kalt soll er sein, weil seine Mutter immer heißen serviert hat. Das ist so eine Szene, in der nicht viel passiert, die aber sehr viel über diesen Menschen aussagt und die man auch nicht wiederholen könnte. Sie birgt so viel Echtes, Authentisches, dass genau das die Kraft ist, mit der sich solche Bilder und Szenen ins Gedächtnis einbrennen.

Im Anschluss diskutierte Regisseur Jakob Preuss noch eine Stunde mit dem Publikum, das zum Beispiel die Frage stellte: Finden Sie nicht, dass Sie diese einfachen Menschen aus Donezk mit diesem Film vorführen? Und Preuss antwortete: „Nein, diese Menschen sind so. Und ich habe immer noch ein gutes Verhältnis zu ihnen. Zugegeben es ist eine Gradwanderung… wie nah kommt man den Hauptprotagonisten, um möglichst authentische Aussagen zu bekommen? Und wie weit muss man sich auf der anderen Seite emotional von ihnen entfernen, um das Gesamtprodukt zu sehen und die Dramaturgie nicht aus dem Auge zu verlieren?“

Preuss ist diese Gradwanderung meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Der Film wirkt nie anbiedernd oder künstlich sondern sehr oft sehr nah an den Menschen, ja, man kann sagen: wunderbar menschlich und dadurch besonders berührend. Es kommt nicht oft vor, dass Filmemachern das gelingt. Deshalb: Chapeau!

Der Film wird gerade auf sämtlichen Dokumentarfilm-Festivals gezeigt und kommt bald auch als DVD heraus. Also wenn sich die Möglichkeit ergibt, am besten ins Kino gehen. Es ist ein schönes Gefühl mit hunderten anderen Menschen an den gleichen Stellen lauthals lachen zu können.

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